Dr. Ernst Trebin

Allgemeinmedizin - Homöopathie

  • Start
  • Kontakt
  • Fortbildung
  • Aktuelles

Das kalte Herz

Anlässlich eines kleinen Kongresses in München im Frühjahr 2026 zitierte Carl Rudolf Klinkenberg aus Esslingen den bedeutenden Biografen Hahnemanns R. Haehl, mit folgender Aussage*:

„Hahnemann sagte, bei der Homöopathie müsste auch das Gemüt mitarbeiten. Herzlose Menschen mit noch so viel Geist leisten wenig.“

Diese Worte kamen mir gerade recht, da ich schon im Begriff war, meine Gedanken über die Seelenlosigkeit unserer gegenwärtigen Welt- und Gesellschaftspolitik zu formulieren. Wie kann man den Tod zehntausender Soldaten und unzähliger ziviler Opfer strategisch einplanen, um seinem Imperialismus zu frönen, sich fremde Länder und Rohstoffe anzueignen? Wir kann man sich als Politiker so korrumpieren lassen, wie wir das gegenwärtig erleben, ohne persönliche Rührung und Skrupel. Wie kann man mit einem Rest von Gewissen sich mittels der Rüstungsindustrie bereichern? Goldene Wasserhähne einbauen mit Hilfsgeldern für ausgebombte Städte? Man glaubt fast, satanische Kräfte zu sehen in der Art, wie hochrangige Politiker unser Land und unsere Freiheit verkaufen. Niemand hat ernsthaft Interesse an einem Frieden oder einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern der Asylsuchenden, um der Not abzuhelfen; lieber lässt man sie im Meer ertrinken.

Es liegt aber auch eine Aggressivität in der Luft, die ganz im Gegensatz steht zum christlichen Prinzip des friedlichen Miteinanders, und sie durchdringt alle Bereiche unseres Daseins. Ein Digitalisierungswahn kontrolliert und separiert die Menschen, Autos haben keine Andeutung mehr eines menschlichen Antlitzes wie einst ein VW-Käfer mit seinen Augen und seiner Nase. Panzerartige SUVs verunsichern unsere Straßen mit schlitzartigen Schießscharten als Lichter und hässlichen Nüstern als Kühlergrill, die mit ihrer matten Lackierung und ihren schwarzen Rädern alles andere als freundlich daherkommen – banale Beobachtungen gewiss, aber doch repräsentativ für die dunklen Tendenzen des Zeitgeistes.

In der Medizin ist eine gewinnorientierte Manipulation an der Tagesordnung, unsere werbefinanzierten Fachzeitschriften plappern alles nach, was der Pharmaindustrie Geld bringt, viele Arztpraxen sind mittlerweile im Besitz von Kapitalgesellschaften mit entsprechenden Erwartungen an den Umsatz. Wie viele Kollegen, die noch guten Willens sind, vermissen in unserem Medizinsystem die Wertschätzung einer humanen, zuwendungsorientierten ärztlichen Tätigkeit! Ja, die Würde des Patienten wird noch weiter demontiert, indem die Hebammen, die Psychotherapeuten und auch die Homöopathen zur Ader gelassen werden.

Wir stehen unter der Herrschaft seelenloser Kapitalgeber, die wie im Märchen von Wilhelm Hauff um der Bereicherung willen ihr Herz gegen einen Stein ausgetauscht haben. Ich habe mich gefragt: sind das noch Menschen oder bereits transhumane Wesen? Und als Arzt und Homöopath habe ich mich gefragt: könnte man diese überhaupt mit unseren Mittel behandeln?

Welches Arzneimittelbild würde denn derartige Strukturen abdecken? Im Synthetischen Repertorium fand ich die Rubriken Gier/Mangel an moralischem Empfinden/unbarmherzig-skrupellos/gefühllos-kaltherzig/grausam-unmenschlich.

Aurum wäre ein Gedanke, aber damit assoziiere ich immer noch ein großes Verantwortungsgefühl. Kalium? Ist zwar vordergründig gefühlsarm, aber eher nicht herrschsüchtig, sondern unterordnungsbereit. Sulfur hat seinen Eigensinn, dürfte aber nicht so destruktiv sein. Medorrhinum lebt zwar expansiv, kennt aber noch leidenschaftliche Gefühle. Was aber durch alle diese Rubriken geht, ist Arsenicum album. Es hat meines Erachtens am ehesten das I, me, mine, das die Beatles besungen haben, also das Ich, meiner, mir, mich, eine oft ausgeprägte Selbstbezogenheit.

Wenn ich oben von schwarzen Autorädern sprach: Schwarz ist eine häufige Begleiterscheinung des Arsenbildes, schwarz verfärbte Fingernägel etwa oder Träume von schwarzem Wasser; in einigen Fälle wurde ich dadurch auf das Mittel aufmerksam.

Ich bin gerade dabei, diesem Halbmetall, das ich der Syphilinie zuschreibe mit spezieller Zuständigkeit für die Organe des mittleren Keimblattes, noch einigen Nutzen abzugewinnen. Die Indikation dafür ist keineswegs leicht zu finden, oft komme ich erst nach einer längeren Patientenbegleitung darauf; so scheint mir sein Wirkspektrum wesentlich breiter aufgestellt, als man gemeinhin denkt. Und gottlob sind die meisten Menschen dieser Prägung weit humaner als man fürchten möchte.

Es ist vor allem eine bestimmte Schicht von Strippenziehern und Entscheidungsträgern, weit oben und abgehoben von unseren Äckern.

Bamberg, im Juli 2026

Quelle: Haehl R., Deutsche Zeitschrift für Homöopathie Jg. 1922, Heft 8, S. 337-345

Neue Artikel

  • Das kalte Herz
  • Der duale Weg - eine theoretische Rechtfertigung
  • Non-Hodgkin-Lymphom
  • Katja Schütt: Klassiker und Schätze der Homöopathie – Eine Rezension

Artikel

  • Zurück ins Leben mit Kalium phosphoricum
  • Homöopathie bei Kindern
  • Gold
  • Ein Arzt muss auch Politiker sein
  • Verwirrte Seelen junger Menschen
  • Zustandsmittel
  • Carcinosinum und die Kali-Salze.2
  • Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker
  • Homöopathie im Alter
  • Die Heringsche Regel
  • Weitere Erfahrungen mit Kalium jodatum und Kalium bichromicum
  • „Niemals den Patienten frei erzählen lassen“
  • Spekulationen über den Sinn des Krankseins 2024
  • Homöopathie und Physiologie
  • Mein Umgang mit den Miasmen
  • Der Ablauf viraler Infekte
  • Kleine Wunder oder Komplementärmedizin im besten Sinne
  • Leber und Galle: Natrium sulfuricum
  • Die Erde ist eine Scheibe, Herr Bartens!
  • Die Kentsche Skala
  • Der Frust der Ärzte
  • Kindliche Entwicklungsstörungen
  • Schicksale junger Menschen - Ergänzung
  • Schicksale junger Menschen auf der Basis genetischer und biografischer Belastungen
  • Stau im Becken
  • Furunkel und Abszesse
  • Mein Arbeitskonzept, kurz erklärt
  • Kindliches Asthma
  • Dr. Ernst Trebin im Interview mit Katja Schütt
  • Warum wir sind, wie wir sind
  • Sepia, Teil 2 und 3
  • Heinrich Wilhelm Schüßler – Arzt aus Leidenschaft –
  • Philosophie der Homöopathie, 2. Teil
  • Zur Philosophie der Homöopathie
  • Mein Umgang mit den Calcium-Salzen
  • Eine unklare Erkrankung am Fuß
  • Brillante Erfolge der homöopathischen Heilmethode
  • Natrium arsenicosum, homöopathische Arzneimittelprüfung
  • Kalium bichromicum
  • Natrium- und Kaliumsalze
  • Degenerative Erkrankungen der Hornhaut des Auges
  • Eine seltene Natriumverbindung - Mercurius chloratus natronatus
  • Rheuma als Präkanzerose - Kaliumsalze bei Rhizarthrose
  • Homöopathie in schweren Pathologien
  • Die Kopflastigkeit der Kali-Salze
  • Männermedizin: Medorrhinum
  • Sepia
  • Das alte Haus - oder: Corona – eine Krise der Wissenschaft
  • Die Corona-Krise – ein Laborphantom?
  • Die Corona-Krise – eine Krise der Angst?
  • Kinderwunsch
  • Kalium jodatum – segensreich, aber nicht leicht zu finden
  • Rheuma als Präkanzerose - Kaliumsalze bei Rhizarthrose
  • Die Corona-Krise – eine Impfschadens-Pandemie?
  • Eine Rede. 13. Juni
  • Rede am 16. Mai
  • Eine Stellungnahme zu COVID 19
  • Reizdarm
  • Musiker-Krankheiten und deren Behandlungsmöglichkeiten
  • Kann dieser Weg noch richtig sein? – Spekulationen über die Arbeit mit kombinierten Arzneien
  • Die Tyrannei der Angst
  • Warzen oder der Wert einer dualen Therapie mit Natrium- und Kalium-Salzen
  • Impfschäden
  • Julia Bütikofer: Hilfe! Ich muss eine Impfentscheidung treffen. – Eine Rezension –
  • Chronische Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates
  • Maßvoll Impfen - Eine Rezension
  • Zurück ins Leben mit Kalium phosphoricum
  • Konstitution und Prägung
  • Was ist ein guter Arzt? Erfahrungen aus über 20 Jahren Praxis
  • Polymorbidität nach einer Grippe-Impfung
  • Kents Nachlass
  • Rezeptionsgeschichte James Tyler Kents
  • Warum ich homöopathischer Arzt wurde
  • Verletzungen
  • Arsenicum phosphoricum und Mercurius phosphoricus – zwei ziemlich unbekannte Phosphor-Salze
  • Lebenskrisen
  • Mehrere Miasmen am Werk?
  • Strukturierte Homöopathie
  • Carcinosin und die Kalium-Salze - Versuch einer Verknüpfung
  • Pulsatilla und ihre Freunde
  • Warum Arsen eine Arznei der Syphilinie ist
  • Verschiedene Autoaggressions-krankheiten in einer Familie
    - Wie uns die Arbeit mit Miasmen helfen kann -
  • Über den Wert der kleinen Mittel
  • Homöopathie macht schön
  • Vitamin B12 und Avocado-Öl - Über die Therapie der Neurodermitis
  • Zur Behandlung der Neurodermitis
  • Wozu Spiegeleier manchmal nützlich sind
  • Wenn die Schulmedizin uns im Stich lässt - eine akute schwere Tonsilitis
  • Mehrere Pfeile im Köcher
  • Homöopathie und Spiritualität
  • Aurum phosphoricum: Theorie und Praxis
  • Psychosomatik
  • Meine Ansichten zu Schutzimpfungen
  • Eine Vorliebe für Achterbahnen -
    oder sind wir nicht alle ein bisschen Kali?
  • Nosoden und Sarkoden - Eine Einführung
  • Nosoden - Trumpfkarten in der Hand des Homöopathen
  • Primum nil nocere – oder: Der Wille des Patienten
  • Kleine, feine Quecksilbersalze
  • Kritik an der Homöopathie
  • Bamberger Skeptiker
  • Geist oder Materie...
  • Symptom oder Pathologie - Gedanken zur Jahrestagung 2008
  • Ein Hirntumor - oder Die Bürde der Verantwortung
  • Kein bergend' Nest
  • Brauchen alle Menschen Natrium muriaticum?
  • Natrium silicium und Kalium silicium
Impressum  
Diese Seite verwendet keine Cookies